IT,  Praxiswissen

Praxiswissen: Ohne IT geht in einer Praxis heute nichts mehr

Liebe Patientinnen, liebe Patienten,

heute kommt ein neuer Artikel aus unserer Reihe „Praxiswissen“ und diesmal geht es um den sogenannten Eda-Faktor, nämlich um die IT-Infrastruktur einer Hausarztpraxis.

Wie auch in vielen anderen Bereichen des beruflichen Lebens, so kommt man heute auch in einer Hausarztpraxis nicht mehr ohne eine funktionierende IT-Infrastruktur aus. Neben Computer(n) etwa am Empfangstresen findet man in der Regel in jedem Behandlungsraum jetzt auch einen Computer vor, vom welchem aus u.a. auf die digitale Patientenakte zugegriffen werden kann. Dazu kommt natürlich noch eine große Anzahl an Peripherie wie Drucker, Fax, Scanner, Telefonanlage, Kartenleser, EKG, Audiometer, die TI (Telematikinfrastruktur) mit welcher Gesundheitsdaten u.a. mit den Krankenkassen ausgetauscht werden und vielem mehr.

Sollte es etwa während der Sprechstunde zum Ausfall der IT-Infrastruktur kommen, ist eine Praxis nur sehr eingeschränkt funktionstüchtig, weil die Abhängigkeit so groß ist. Alleine schon das Einlesen einer einfachen Krankenkassenkarte und wir reden hier noch nicht von der elektronischen Gesundheitsakte, wird dann in der Regel nicht mehr funktionieren. In modernen Krankenhäusern ist das teilweise noch viel schlimmer und in den letzten Jahren kam es etwa durch diverse Hackerangriffe, ja teilweise gar zu einem nahezu vollkommenen Stillstand und geplante Operationen mussten abgesagt werden.

Während es bereits die Kliniken schwer haben geeignetes IT-Fachpersonal zu finden, ist es für viele Hausärzte noch viel schwieriger. Sie sind zu klein um einen Mitarbeiter hierfür fest einstellen zu können, aber die Abhängigkeit an die IT ist wiederum zu groß. Eine sehr unschöne Zwickmühle für die meisten Hausarztpraxen. Klingt komisch, aber Informatik (zumindest anteilig) könnte/müsste eigentlich Bestandteil des eh schon sehr umfangreichen Medizinstudiums sein. 

Neben dem eigentlichen Datenschutz und der DSGVO, stehen IT-Sicherheit und Redundanz hier an höchster Stelle. Nahezu täglich werden neue Sicherheitslücken entdeckt und von Hackern auch umgehend ausgenutzt. Der „einfache“ Ausfall der IT-Infrastruktur ist schon schlimm genug, sollten aber Gesundheitsdaten durch den unbefugten Zugriff Dritter abhandenkommen, sind die Auswirkungen für die Praxis bzw. den verantwortlichen Arzt fatal, um es mal nett auszudrücken. 

Eine 100% IT-Sicherheit wird es leider niemals geben können. Davon muss man sich sicherlich befreien, aber man sollte alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um das Risiko auf in Minimum zu reduzieren.

Neben physikalischen Zugriffskontrollen, einem ausgereiften Rechtemanagement und einer umfangreichen und lückenlosen Dokumentation, ist eine tägliche oder gar stündliche Datensicherung unumgänglich. Natürlich müssen die Back-ups nach aktuellen Standards verschlüsselt und auch zusätzlich außerhalb der Räumlichkeiten gelagert werden. Das Hardware bestmöglich redundant verfügbare seine sollte, muss ich sicher nicht erwähnen.

Alle Systeme und dazu gehören nicht nur die Server und die Computer in der Praxis, sondern auch die große Anzahl an Peripheriegeräten, müssen regelmäßig um nicht zu sagen täglich mit Updates und Patches versorgt werden. Das ist sogenanntes „daily business“ und man kann das leider hierbei wörtlich nehmen. Man darf hierbei wirklich nicht unterschätzen, mit wie vielen unterschiedlichen Herstellern und deren Produkten man sich hierzu täglich auseinandersetzen muss. 

Das eigentliche Betriebssystem ist hierbei noch das kleinste Problem. Sondern die große Anzahl von Software- und Firmware (Mini Betriebssysteme) Updates sind hier am Ende deutlich aufwendiger. Das alles geschieht praktisch im Hintergrund und wenn möglich außerhalb der Öffnungszeiten und ist am Ende auch „nur“ die Basis, für eine gut funktionierende Hausarztpraxis. 

Am Ende kann man sich schon die Frage stellen, wie eine „durchschnittliche“ Hausarztpraxis das oben beschriebene alles bewältigen und bezahlen soll. Die Anforderungen alleine schon durch den Gesetzgeber werden von Jahr zu Jahr schärfer bzw. aufwendiger.

Moderne Kommunikationswege für Patienten wie E-Mail, Homepage, Online-Formulare, Facebook-Seite, SMS Terminbestätigung, Telefonanlage mit Routingfunktionen und vieles mehr, sind alles noch weitere Zusatzleistungen und somit sicherlich für viele Kolleginnen und Kollegen kaum zu bewältigen.   

Ich hoffe Ihnen einen kleinen (und ich habe sicher einiges vergessen) Einblick hinter die Kulissen einer/unserer Hausarztpraxis gegeben zu haben und wenn Sie mehr solcher Berichte, etwa zum „bald“ erscheinenden digitalen Impfpass haben wollen, lassen Sie es mich wissen. 

Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute und bleiben Sie gesund. Marc Broch (Ihr ITler hinter den Kulissen der Landarztpraxis Wüsting).